Schlafkultur


admin

R. hat sich echoviert, dass beim Feldenkrais die Leute einschliefen. Er regt sich darüber zunehmends auf.

Ich musste also darüber erneut nachdenken, und kam zu dem Schluss, dass R. natürlich Stuss redet. Viele meiner internen Meinungen sind schon recht sattelfest, da brauch ich nichtmehr rumzweifeln, auch wenn Respektpersonen anfangen rumlabern.

Also ich muss nochmal ein bisschen recherchieren:

Das Mittelalter dauerte so ungefähr bis 1500 danach nennt man die Zählung “Neuzeit”. Ludwig der XIV (dem sie das Kiefer zerstört haben) lebte so ca um 1640. Er war einer der ersten, der überhaupt ein Schlafzimmer hatte.

Das haben dann einige nachgemacht. Hat aber bis ca 1900 und länger gedauert, bis das alle nachgemacht haben. Davor haben Menschen einfach überall gepennt, wo sie Platz gefunden haben. Gerne auch im gleichen Bett oder Strohlager, oder vorm Ofen oder so. Wo’s halt Platz gab. Auch Gästen/Durchreisenden wurde ein Platz im eigenen Bett angeboten.

Erst die “im 19. Jahrhundert zunehmende Distanzierung von Frauen und Männern” (Zitat Süddeutsche) hat dann eine völlige Trennung der Zimmer gebracht, von da an mussten auch Kinder alleine schlafen usw.

Da frag ich mich auch, wie weit das Schuld der Produktdifferenzierung ist … ich mein, IKEA Schlafzimmer und so wollen ja auch verkauft sein.

Also das allein zeigt schon, wie leger Schlaf gewesen sein muss. Vor der industriellen Revolution wurde anscheinend nach Sonnenuntergang ein Nickerchen von bis zu 4 Stunden eingelegt, dann war man auf bis ca 2 in der früh, und dann wurde nochmals so 4 Stunden oder so geschlafen. (Quelle A Brief History of sleep)

Ich könnte mir vorstellen, dass es dann noch Nickerchen nachmittags usw gab, so wie Kafka, einer der letzten Verfechter des eigenen Schlafbedürfnisses das praktiziert hat. Allerdings wurde Schlaf früher wohl auch von den Faktoren Schlafplatzverfügbarkeit (wo kann ich ungestört pennen), und Ungeziefer (Läuse, Gelsen/Mücken) und sonstige Krankheiten (Hautjucken, Husten usw) bestimmt.

Dann …

Dann hat wohl die Geldgier gesiegt. Die Menschen wurden in Fabriken gezwungen (bzw gingen freiwillig, um auch mehr von dem Geld zu haben), und dann war der natürliche Rhythmus natürlich beim Teufel.

Arbeitszeiten (und Segen und Fluch Elektrizität) ruinierten die Möglichkeit bei Müdigkeit zu Ruhen. Weiters sank die gesellschafltiche Akzeptanz des Schlafes, bis die meisten Leute Angst hatten zu Schlafen bzw blöd über Schlafen redeten und über andere, die Schlafen wollten, spotteten, sie gängeln und fertig machen; das Verständnis für die Vorgänge des Schlafes ebenfalls. Die meisten Menschen sind schlechte Träumer, von OBE usw ganz zu schweigen, das ist soweit weg wie Atomphysik für den Grundschüler. Traurig traurig.

Und übriggeblieben sind ein paar Irre, die glauben, Schlaf sei was Schlechtes und sie hätten kein Schlafdefizit. Denen empfehle ich allen mal ein Sounder Sleep Seminar oder ein paar dutzend Stunden normales Feldenkrais bei mir.

ok nuff said.

Keine geringe Kunst ist schlafen: es thut schon Noth, den ganzen Tag darauf hin zu wachen. (F. Nietzsche)

Bücher:

oh, und das muss ich auch noch rauskopieren, weil’s so geil geschrieben ist. oh mann, wie vermisse ich gute literatur … und gute gedanken … hm leben wir neuerdings in einer Welt der Unfähigen und Spinner??

Der Schlaf tagsüber, der für uns zum Inbegriff der Faulheit und Arbeitsscheu geworden ist, hat im 19. Jahrhundert in Iwan Alexandrowitsch Gontscharows berühmtem Roman „Oblomow“ ein bleibendes literarisches Denkmal erhalten: „Das Herumliegen war für llja lljitsch weder eine Notwendigkeit, wie für einen Kranken oder für einen Menschen, der schlafen möchte, noch eine Zufälligkeit, wie für einen Müden, noch ein Genuss, wie für einen Faulpelz: es war sein normaler Zustand. Wenn er zu Hause war (und er war fast immer zu Hause), lag er stets im Bett und stets in dem gleichen Zimmer, wo wir ihn vorfanden, das ihm gleichzeitig als Schlafgemach, Kabinett und Salon diente.“

(Quelle Sueddeutsche)

One Response

  1. abeg Says:

    Dead tired sach ich da nur…
    http://www.circadianaustralia.com.au/dead-tired.cfm

    was wahr ist und was nicht, musst du danach erst andre fragen?

    da kann man nur den kopf schütteln, dass man jahrzehnte schlafforschung als grundlage benötigt, um herauszufinden, dass man müde ist, und dass Menschen Schlaf benötigen.. wissenschaftliche Dokumentation, sonst gilts ja nicht.. sonst sollte man diese gewohnheit doch abschaffen.. hahaha.. HILARIOUS!

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